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Docteur Jean-Georges Rozoy


Résumé des abréviations utilisées dans les articles : consulter la liste.

1999

Dr. J.-G. Rozoy und J. Walczak

JAGDGERÄTE UND STILE DER STEINBEARBEITUNG



Seit über zwanzig Jahren konnten für das Mesolithikum und vor allem für die mittlere Phase viele wichtige regionale Unterschiede erfasst werden, die sich durch den Stil der Abschläge im Allgemeinen und ihrer Proportionen beziehungsweise durch die Verhältniswerte zwischen den sogenannten "gemeinsamen Werkzeugen" (outillage du fonds commun ) und den mikrolithischen, spitzen Pfeileinsätze auszeichnen (Rozoy 1978, Kapitel 12 zum Ardennien, Rozoy 1997 a, b).

So unterschied sich das Ardennien vom Tardenoisien durch eine etwas dickere Abschlagfläche vom Coincy-Stil (Rozoy 1968), ebenso die Verhältniswerte der "gemeinsamen Werkzeuge" in der Relation von 75 bis 80%, die viele retuschierte Abschläge und mehr retuschierte Klingen als retuschierte Lamellen enthielten (außerdem bestanden auch feine Unterschiede bezüglich Herstellungsstile der Einsätze usw.) So wurden verschiedene mesolithische Kulturen anhand ihrer unterschiedlichen Merkmale identifiziert. Die Unterschiede der einen zur anderen Kultur betraf oft die Anzahl der spitzen Einsätze (Somme-Kultur, Rozoy 1994) und manchmal die Abschlagstechnik, darüber hinaus das Vorhandensein spezifischer Einsätze und/oder makrolithischer Werkzeuge (mit oder ohne prismatischen Querschnitt), sowie die Verhältniswerte der verwendeten Kerbbruchtechnik, usw. (Beaugencien, Rozoy 1978, 1995-97). Es galt das Wesen und die Gründe dieser regionalen Unterschiede zu verstehen.

Einer von uns (J. W.) hat auf Anregung des Anderen (J.-G. R.) eine Arbeitsanalyse der lithischen Industrien durchgeführt, die sich nicht nur auf eine Fundstelle beschränkte, wie es allzu oft bei Magisterarbeiten getan wird und dadurch einen Vergleich ausschließen, sondern basierend auf zwei Fundstellen, wovon die eine dem mittleren Tardenoisien (Tigny-les-Marnières, Rozoy 1990, 1998a) und die andere (La Roche-à-Fépin, Rozoy 1990, 1997 a und b) derselben Zeitperiode des Ardenniens zuzuordnen ist. Die Ergebnisse (Walczak 1997) haben unsere Erwartungen weitaus übertroffen. Mit dieser Arbeit war es möglich, nicht nur das unterschiedliche Wesen zweier Industrien zu erfassen, sonder auch die Vorgänge (Mechanismen) , die diesen Abweichungen zugrunde liegen und deren vermutlichen soziologischen Ursachen.

Für denjenigen, der auch nur ein wenig die Industrien und den einheitlichen Stil dieser zwei in Frage kommenden Kulturen kennt, ergibt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Verallgemeinerung. Eine Ausweitung auf andere Kulturen setzt neue Studien voraus und dieser Aufsatz könnte dafür eine Anregung sein. Die große Variationsbreite, hinreichend bekannt für mesolithische Industrien, lässt jedoch vermuten, dass die erkannten Ursachen teilweise oder sogar im Gesamten auf anderen Faktoren beruhen, als diejenigen, die für das Ardennien heraus gearbeitet wurden.

Hier die ermittelten Hauptelemente (J. W.):

1. Die Unterschiede der Industrien von Tigny und Fépin hängen nicht von lokalen Gegebenheiten ab: weder die topographische Lage noch die Entfernung zum Feuerstein beeinflussen dies. Mit Ausnahme der tendenziel kleineren Gerätegrößen in Fépin (weit entfernt von den Feuersteinlagerstätten) verbleiben die Stücke qualitativ dieselben.

2. Weder auf der einen noch auf der anderen Fundstelle besteht eine Vorbestimmung des Abschlagsmaterials, hinsichtlich der Herstellung typisierter Werkzeuge (Kratzer, Stichel, Bohrer). Die Rohlinge werden unter den Vorgaben der Produktion ausgewählt und angepasst. Oftmals wird derselben Gerätetyp aus verschiedenen Grundformen hergestellt.

3. Auf der einen wie auf der anderen Fundstelle werden dieselben Retuschen (ohne Unterschied) auf Abschlägen, Klingen oder Lamellen angebracht. Diese drei Gerätekategorien, im Gegensatz zu ihrer unterschiedlichen Verwendung innerhalb der regionalen Kulturen, bilden aus funktionaler Sicht nur eine Kategorie. Ihre gegensätzlichen Verhältniswerte resultieren anhand der verschiedenen Bearbeitungsmethoden zur Erzeugung von Rohlingen.

4. Die spitzen Einsätzen sind ebenso pragmatisch an den Lamellen (oder an Abschlägen) angebracht, wie der Abbau sie lieferte, ohne strikte Auswahl der Grundformen. Der dem Gebrauch etwas "angepasste" Rohling erlaubt dem Steinschläger eine große Handlungsfreiheit.

5. Die Abschlagtechniken dieser beiden Gruppen sind in fast allen Punkten identisch, mit nur einem kleinen Unterschied: der Schlagpunkt ist in Tigny sehr nahe am Rande der Schlagfläche, in Fépin dagegen liegt er etwas weiter zurück (der Schlagflächenrest ist dadurch etwas dicker). Daraus resultieren dickere Grundformen, mehr Klingen und Abschläge und weniger Lamellen (Abb.1) und die Unterschiede sowohl im Stil als auch in den Verhältniswerten, bei den zur Herstellung von Werkzeugen verwendeten Grundformen.

Wir haben also die enge Verbindung zwischen den Verhältniswerten der retuschierten Klingen, Lamellen oder Abschlägen und denen, die durch den Abbau geliefert werden, erstellt: viele retuschierte Lamellen in Tigny, deren Abschlagstechnik auf Lamellen orientiert ist, resultieren aus dem Bemühen der Tardenoisien-Bogenschützen möglichst nahe am Rand zu schlagen. Infolge eines andern Abbaustils, bei dem unzählige Klingen und Abschläge entstehen, lässt sich die große Anzahl der retuschierten Abschläge und Klingen in La Roche-à-Fépin (Abb.2) erklären. Da dieser Stil nun vollständig analysiert und definiert ist, ist es notwendig ihn zu individualisieren und zu benennen. Gemäß der im Fachbereich bestehenden Tradition, wird der Name der Fundstelle beibehalten, also La Roche-à-Fépin-Stil oder, kürzer, Fépin-Stil (obwohl dieses Dorf am anderen Ufer der Maas, etwa 220 m unterhalb der Fundstelle, liegt). Der Fépin-Stil, charakteristisch fürs Ardennien, ist im Grunde eine etwas dickere Variante des Coincy-Stils, und wahrscheinlich wird man ihn in anderen Kulturen wiederfinden, so z. B. namentlich im Birsmattien.

Selbstverständlich wirkt sich diese Quantität der "gemeinsamen Werkzeuge" auf die Fülle des Materials aus, besonders auf die Anzahl der Kerne (Abb. 3, Tafel 1, Rozoy 1994). Wir haben aber auch auf die große Handlungsfreiheit bei der Herstellung von Einsätzen hingewiesen, die übrigens auf beiden Seiten dieselben ist (mit geringen Stilvarianten, die jeder Kultur eigen sind). Die einzige Bedingung um leichte Einsätze herzustellen (1/4 bis 1/2g), die für Pfeile von 20g (Rozoy 1992) geeignet sind, ist über feine Lamellen zu verfügen, deren Dicke 4mm nicht überschreitet (2 oder 3mm sind besser). Inwiefern diese Einsätze und die ganze Zusammensetzung der Industrien auf beiden Seiten vergleichbar sind, ergibt sich aus unseren Abbildungen (Walczak 1997, Abb. 15 u. 16, S.47-48) und anhand der "Geisterdiagrammen", bei denen die Kluft zwischen den Verhältniswerten der Einsätze künstlich beseitigt wurde (Abb. 4) und man die Trennung der beiden Kulturen erkennen kann (dennoch bleibt La Roche-au-Fépin die Fundstelle des Ardenniens mit der höchsten Anzahl an Einsätzen).

Tafel 1: Kerne und spitze Einsätze (cf. Legende Fig. 3)

 

Wir haben es hier also mit Jägern zu tun, die sich gegenseitig kulturell sehr nahe stehen, sicher sogar verwandt sind. Und da sich die retuschierten Abschläge, Klingen und Kerne durch die Abschlagtechnik erklären lassen, besteht der einzige signifikante Unterschied innerhalb dieser Geräte in ihrem Verhältniswert der spitzen Einsätze, die am Ende des Pfeilschaftes, oder wie die Funde aus Loshult (Petersson-Malmer 1951, 1968, Rozoy 1978, S. 955) bezeugen, seitlich als Schneide befestigt wurden. Nun, wir haben niemals daran gezweifelt, dass die Steinschläger das erreichten, was sie erreichen wollten. Dies geschah zu allen Zeiten, aber besonders im Mesolithikum, wo ein ausgezeichnetes Können erworben worden war (Rozoy 1993), das selbstverständlich im Einklang mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln stand, in Funktion ihres technischen Fortschritts und der vorhandenen Materialien (im feuersteinfreien russischem Flachland stellte man Einsätze aus Knochen vom selben Gewicht her). Diese Verhältniswerte der Einsätze sind folglich, auf beiden Seiten, bewusst und gewollt. Die Tardenoisien-Träger haben überlebt, ebenso die Ardennien-Träger, wie die späteren Fundstellen bezeugen. Das empfundene Bedürfnis war eher sozialer Natur als eine objektive Notwendigkeit. Wäre das Herstellen vieler Einsätze eine Frage des Überleben gewesen, so hätten die Ardennien-Träger es getan oder hätten nicht überlebt, was aber nicht der Fall ist.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: da die Tardenoisien-Träger viele Einsätze wollten, haben sie darauf geachtet dieselbe Bearbeitungstechnik zu verwenden, was allgemein für diese Zeit bedeutete, sehr nahe am Rande des Kerns zu schlagen, um auf diese Weise möglichst viele Lamellen zu erhalten (und nachher stellten sie aus den ihnen zur Verfügung stehenden Lamellen retuschierte Geräte her). Die Ardennien-Träger, die nicht so viele Einsätze wünschten, haben weniger präzise geschlagen, und haben doch genügend Lamellen erhalten, für die begehrten Einsätze. Zwangsläufig haben sie aus den vielen Abschlägen und Klingen ihre anderen Geräte hergestellt. Anders gesagt, die Abschlagstile der beiden Gruppen und ihre Verhältniswerte der Geräte, ergeben sich indirekt aus den gewünschten Jagdgeräten. Ob dieses Verlangen nun bestimmt ist durch zwanglose, soziale Gewohnheiten, damit nicht primär wesentlich für das alltägliche Leben, oder durch kulturelle Traditionen, tut nichts zur Sache. Es unterstreicht nur die verschiedenen Eigenarten der benachbarten Kulturen, die sich schon durch die geographischen Gruppierungen mit ihren technischen und typologischen Besonderheiten zeigten. Man kann selbstverständlich nicht ausschließen, dass andere weniger jagdspezifische Elemente dies oder jenes Detail nicht beeinflussten, wie z.B. das Fixieren der Kratzer oder der Gebrauch von makrolithischen Werkzeugen, aber das Wesentliche ist hier (wie einwenig überall) den Jagdgeräten zuzuschreiben. Schließlich isst man jeden Tag! Und unsere Versuche (Rozoy 1992) zeigen, dass man jeden oder fast jeden Tag die Pfeile auch instand setzen muss. Die Jagd ist, neben dem Feuer, eine essentielle immer wiederkehrende Aktivität. Felle zu kratzen für Kleider oder Zelte, eine Hütte zu bauen, eine Kette mit Muscheln aufzureihen...., dies gehört schon zu den weniger alltäglichen Aktivitäten, und es gibt kaum andere materielle Grundbedürfnisse, die sozial anerkannt sind.

Dass die Tardenoisien-Träger viele Pfeileinsätze begehrten, verdeutlichen die gefundenen Gegenstände: niemand kann behaupten, sie hätten diese hergestellt, um sich nicht deren zu bedienen. Übrigens zeigt die hohe Anzahl der gebrochenen Einsätze auf allen Fundstellen, dass sie ausschließlich vom Instandsetzen der Pfeile herrühren (Rozoy 1997 d, 1998 b). Dass dieses empfundene Verlangen im Wesentlichen kulturell bedingt ist, zeigt der Vergleich mit dem Ardennien. Dies gilt auch für Dutzende anderen Kulturen, die sich mit 20% Einsätzen begnügen, wie z.B. das Birsmattien (Rozoy 1978, Kapitel 8) oder das Beaugencien (Rozoy 1978, Kapitel 19). Das Birsmattien benutzt auch eine Variante des Coincy-Stils, die dem Fépin-Stil sehr verwandt scheint und sich vielleicht daran anschließt. Dies könnte anhand der Funde von Sammlungen studiert werden, die so prächtig im Museum für Geschichte der Stadt Bern ausgestellt sind, und anhand der gesamten Grabungsfunde, die mit ihrem fünf Horizonten dort vollständig aufbewahrt wird.

Für das Beaugencien (Rozoy 1978, Kapitel 19, Rozoy 1995-97, 1997 d, Violot 1994) ist der erlangte Stil durchaus verschieden, und kann nicht an den Coincy-Stil angeknüpft werden. Wie im Ardennien, ist der Stil im Großen und Ganzen dicker als in Coincy; die vorhandenen dünnen Lamellen würden gut in die Sablonnière de Coincy passen, sind aber in der Minderheit. Jedoch im Unterschied zum Ardennien sind sie kürzer, so dass man sich öfters an den Grenzwerten zwischen Klingen und Abschläge befindet. Ein solche Bearbeitungstechnik ist nicht erstaunlich für Menschen, die verhältnismäßig wenige Einsätze herstellen, wie aus dem Verhältnis Kerne/Einsätze hervorgeht (mehr als 100 in Lorges und mehr als 500 in den drei Stationen von Beaugency und Meung, gegenüber weniger als 10 im Tardenoisien), trotz der Beschädigung der Stücke durch landwirtschaftliche Geräte und der beobachteten Anzahl von Einsätzen in Lorges (25%). Auch hier findet man, wahrscheinlich nach denselben Mechanismen und aus demselben Grund, durch die geringere Häufigkeit der erwünschten Einsätze, mit Bestimmtheit wenigstens ein Element des Abbaustils wieder, nämlich eine größere Dicke. Aber diese gemeinsame Dicke erlaubt nicht den Beaugency-Stil mit dem des Ardennien gleichzusetzen. Andere Merkmale, und namentlich die Kürze der Klingen, die zu Klingenabschlägen übergehen, verlangen schon vorher nach den Elementen der Abbaukette zu forschen, die diesen speziellen Aspekt und ihre Existenz bestimmen. Solch eine Arbeit wäre durchzuführen auf den äußerst zahlreichen Serien (mehrere Kubikmeter), die durch François Quatrehomme in Beaugency und in Meung-sur-Loire aufgesammelt wurden, und um sie rechtzeitig vor ihrem Verschwinden zu retten, oder auf den nicht weniger umfangreichen Serien, die durch Herrn Huchet aus St.Privé zusammengetragen wurden. Bestätigung könnte man finden mittels meiner eigener, aber eher beschränkten, Ausgrabung in Hauts-de-Lutz in Beaugency (die Serien sind verzerrt durch das fünfzehnjährige Abschöpfen von F. Quatrehomme), sowie in der Sammlung Marquenet in Lorges, wo die rezente Phase abgesondert ist. Übrigens, das Vorhandensein prismatischer Werkzeuge (allgemein für ein Dutzend anderer noch zu bestimmenden Kulturen im Bereich zwischen dem Sauveterrien und den benachbarten Gruppen des Tardenoisiens), drängt auch die Idee auf, dass die erwünschten Einsätze -wie wesentlich sie auch sind- nicht die einzige Ursache der Verschiedenheiten zwischen den Industrien sind. Das Problem wird auch durch das Limbourgien (Rozoy 1978, Kapitel 7) aufgeworfen, welches die Kratzer den retuschierten Abschlägen vorzieht. Aber die in Frage kommenden Unterschiede sind weniger wesentlich.

Die Frage lautet nun: Weshalb haben sie eine mehr oder weniger große Anzahl von Einsätzen gewollt? Hier müssen wir uns -mehr oder weniger sinnvoll- den Gegebenheiten anpassen, da die Erhaltung der Pfeile zu selten ist, um uns Hilfe zu leisten. Die einzigen fürs mittlere Mesolithikum gut bekannten Pfeile sind die aus Loshult in Schweden (Petersson-Malmer 1951, 1968, Rozoy 1978, S. 955). Der einzige vollständige Pfeil zählt zwei Einsätze, wovon einer als Schneide montiert ist. Die Gebrauchsspuren -zu selten untersucht für die zu tausenden gefundenen Stücke ohne Schaft- erlauben es bis heute nicht zu präzisieren, ob der Einsatz an der Spitze oder seitlich fixiert war. Die eine oder andere Fixierung vorzuschlagen, wäre zu zufällig (Rozoy 1991). Eins steht fest: die spitzen Einsätze haben 100%ig als Geschoss-Spitzen gedient. Für den stark unterschiedlichen Gebrauch von Einsätzen in den Kulturen scheinen sich zwei Erklärungsmöglichkeiten anzubieten:

1. Sei es, dass andere Mittel gefunden oder gewählt wurden, um sich Nahrung zu beschaffen: durch die zahlreichen Kulturen mit einem niedrigen Prozentsatz an Einsätzen, wie das Ardennien: die Treibjagd in Netzen, wofür wir jedoch kein einziges Indiz haben (da die Netze, hauptsächlich die im Boden befindlichen, sich nur ausnahmsweise konservieren), oder das Fallen stellen, deren Spuren auch nicht konserviert sind, oder das Fischen mit Netz oder Reuse (belegt in Skandinavien durch wenige Exemplare und durch Zeichnungen), usw.. Der kulturelle Unterschied mit Jägern, die nur den Bogen benutzten, wäre beachtlich, obschon man heute Volksstämme kennt, von denen ein Teil mit Bogen und der andere Teil mit Netzen jagt (Turnbull 1961).

2. Sei es, dass das Ende eines jeden Pfeiles nur mit einer einzigen Spitze versehen wurde, wie bei den Ardennien-Träger (und anderen vergleichbaren Kulturen), während die Tardenoisien-Träger zwei befestigten, wie in Loshult, oder sogar drei oder vier. Der kulturelle Unterschied wäre dann viel oberflächlicher. Diese zweite Hypothese ist, zusammenhängend mit den angeführten Fakten, die Wahrscheinlichere. Es bleibt nichtsdestoweniger bei einer Hypothese, deren Bestätigung (oder Nichtbestätigung) allein aus statistischen Studien der Gebrauchsspuren, basierend auf nicht allzusehr patinierten Einsätzen, kommen könnte. So könnte es wenigstens gelingen, die Spitzen von den seitlichen Schneiden zu trennen. Gebrauchsspurenforscher, ihr seid an der Reihe! Aber, in allen Fällen gehen die hauptsächlichen Unterschiede der Stile und der Zusammensetzung der Geräte auf die gewählten Jagdgeräte zurück. Diese Wahl ist keinesfalls aufgezwungen durch die Umgebung, da sie im selben Milieu verschieden ist von einer Kultur zur benachbarten; folglich ist auch diese Wahl kulturell bedingt. In anderen Studien (Rozoy 1997d, Rozoy und Walczak 1998) zeigen wir, dass diese Feststellungen im ganzen Leptolithikum und in allen vorgeschichtlichen Jägerkulturen vorkommt.

Schlussfolgerung

Um nun die Mechanismen und Ursachen der entwicklungsgeschichtlichen Änderungen und synchronen Varianten der Industrien verstehen zu können, muss man über die von den Jägern angewandten Techniken und Strategien, hinsichtlich der Befriedigung ihrer wesentlich materiellen Bedürfnissen, diskutieren, in der Reihenfolge: essen, sich kleiden, wohnen. Wir müssen folglich zuerst die Techniken und Strategien des Jagens und des Sammelns untersuchen, die sich in unseren Gegenden hauptsächlich auf die der Jagd (im weitesten Sinne, das Fischen, das Fallen stellen usw. einbegriffen) beziehen, aber auch die wesentlichen Merkmale für die Nahrung (im Vergleich zu dem geringen Beitrag von pflanzlichen Lebensmitteln, siehe Rozoy 1978, S.1040), für die Bekleidung und für die Wohnstätten (Zelte aus Fellen) sowie Werkzeuge (Tierknochen und Geweihe) untersuchen. Seit einem Jahrhundert verlassen wir uns auf die lithische Industrie (oder Knochenindustrie), ein indirekter und deformierter Zeuge, indem wir eher über ihre Eleganz als über ihre Effizienz befinden. Dies hat uns erlaubt ein reichhaltiges Grundmaterial zu ordnen, anfänglich eher unverständlich, und unsere chronologischen und kulturellen Gliederungen hängen noch im Wesentlichen von der Steinindustrie (und Knochenindustrie) ab, ohne deutlichen Bezug, auf den davon gemachten Gebrauch. Es geht hier nicht darum, dieses so nützliches Untersuchungsinstrument zu verwerfen, sondern es ist höchste Zeit, sich dessen feiner zu bedienen, um die Techniken der Lebensweise der Jäger besser zu verstehen, die einzigen wahren Grundlagen, die wir erkennen müssen, bei Gruppierungen und Trennungen von Gesellschaften. Wir denken schon seit langem, dass das Neolithikum nicht mehr das Zeitalter der Keramik und der geschliffenen Beile ist, sondern die Periode des Ackerbaus und der Viehzucht. Es gilt dieselben Fortschritte zu machen für die Jägerkulturen: Anstelle für das Jungpaläolithikum zu sagen: Zeit der Klingen und der Verarbeitung von Knochen, müssen wir denken: Zeit der Jagd mit Wurfspieß und mit Geschoss-Spitzen ("Projektile werfen", Bordes 1959, S.109). Und folglich müssen wir uns fragen, auf welche Schäfte konnte man Geschoss-Spitzen fixieren. Dies zwingt uns deren Basen zu messen. Anstelle von Mesolithikum, Zeit der Mikrolithen, müssen wir stets im Kopf haben: Zeit der Jagd mit Bogen, und uns fragen, weshalb die prozentualen Anteile der Einsätze so verschieden sind von einer Kultur zur benachbarten. Dies führt uns dazu, die Abbaustile zu vergleichen (Walczak 1997) und zu begreifen, und dass diese festgelegt waren, durch die Wahl der Jagdtechniken. Man begreift unter anderem sofort, dass die Rückenspitzenkulturen (Azilien und seine Äquivalenten die Federmesser), von denen niemand den Gebrauch vom Bogen verneint, mit vollem Recht zum Mesolithikum gehören und die älteste Phase bilden. Es ist folglich unlogisch, sie (mit dem Ahrensbourgien und seinen Äquivalenten) in ein "Endpaläolithikum" zu setzen, da dessen Jagdmethoden radikal verschieden sind von den Vorhergehenden. Diese Denkart verleitet uns auch dazu, bei der Suche der Mechanismen und der Ursachen, die Zielsetzung besser zu erkennen: die Waffenspitze (und das erlegte Wild) und die Mittel: die Herstellungstechnik, die auf dieses Ziel ausgerichtet ist, kommt im Allgemeinen mit einer jahrhundertelangen Verspätung. Die Ursachen haben nichts zu tun mit dem Klimawechsel, aber mit den Erfindungen und mit der Evolution des menschlichen Gehirns, wie bereits an anderer Stelle behandelt (Rozoy 1995, 1997d, Rozoy und Walczak 1998).

Zusammenfassung

Die Abbaustile der Tardenois-Industrie von Tigny und der Ardennien-Industrie von Fépin, die durch einen der Verfasser (Walczak 1997) untersucht wurden, unterscheiden sich nur durch die größere Sorgfalt der Tardenois-Träger, welche die Kerne sehr nahe am Rande schlugen, um möglichst viele Lamellen zu erhalten, während die Ardennien-Träger mehr zurückgesetzt schlugen, und so viele Klingen und Abschläge erhielten. Der Fépin-Stil ist durch diese Gegebenheit vollständig zu erklären. Die Abschläge, die Klingen und die Lamellen haben dieselben Retuschen, und bilden eine einzige funktionale Kategorie. Ihre gegenseitig hohe Anzahl reflektiert die Fülle, der -durch den Abbau bedingt- zur Verfügung stehenden Grundprodukte. Es besteht weder eine Vorbestimmung der Produkte, um typisierte Werkzeuge herzustellen (sie werden unterschiedslos auf diversen Grundformen angebracht) noch eine für die für Einsätze bestimmten Lamellen, die ohne strikte Selektion der Grundformen pragmatisch angepasst werden. Da die Abweichungen zu den Werkzeugen sich durch den Abbau erklären lassen, besteht der einzige bedeutsame Unterschied, für die Geräte dieser Fundstellen, im Verhältnis der von den Jägern gewollten spitzen Einsätzen. Die Abschlagstile dieser zwei Gruppen sowie ihre Werkzeugverhältnisse, sind folglich indirekt von den gewünschten Jagdgeräten abzuleiten. Das Beaugencien zeigt einen ähnlichen Unterschied auf. Der Anlass zu diesen variablen Verhältnissen der Einsätze besteht entweder auf einer anderen Vorgehensweisen beim Wildfang oder im Unterschied dazu, die Pfeile mit einem einzigen oder mehreren Einsätzen zu bewehren. Die Gebrauchsspurenanalyse könnte dies entscheiden, aber die Gründe dieser Varianten ergeben sich in jedem Fall aus den gewählten Jagdgeräten.

Résumé ­ Matériel de chasse et style de débitage

Les débitages des industries tardenoisienne de Tigny et ardennienne de Fépin, analysés par l'un de nous (Walczak 1997), ne diffèrent que par le soin plus marqué des Tardenoisiens à frapper le nucléus très près du bord, pour obtenir beaucoup de lamelles, les Ardenniens frappant plus en retrait, d'où beaucoup de lames et d'éclats. Le style de Fépin est entièrement expliqué par cette circonstance. Les éclats, lames et lamelles portent les mêmes retouches et sont une seule catégorie fonctionnelle, leur abondance respective reflétant celle des produits bruts à disposition du fait des débitages. Il n'y a pas de prédétermination des produits pour faire les outils typés, indifféremment sur des supports divers, ni des lamelles pour les armatures, adaptées pragmatiquement sans sélection stricte du support.

Les écarts sur les autres outils étant expliqués par les débitages, la seule différence significative entre les outillages de ces sites est dans la proportion d'armatures pointues voulues par les chasseurs. Les styles de débitage des deux groupes, comme leurs proportions d'outils, dérivent donc indirectement du matériel de chasse désiré. Le Beaugencien présente une différence analogue. Motif de ces proportions variables d'armatures : soit d'autres procédés de capture des gibiers, soit le fait d'armer les flèches d'une seule ou de plusieurs armatures. La tracéologie pourrait trancher, mais en tous cas les raisons d'être de ces variantes sont les matériels de chasse choisis.

Abstract - Hunting implements and debitage styles

Debitage style in Tigny Tardenoisian industry and in Fépin Ardennian one, analysed by one of us (Walczak 1997), are different only in the Tardenoisians' more evident care to strike a core close to its edge, and obtain a lot of bladelets, whereas the Ardennians would strike more backwards, and obtained more blades and flakes. We can explain thoroughly the Fépin style by that fact. Flakes, blades and bladelets have similar retouch and are but one functional category, their respective abundances reflecting the abundance of raw products at disposal after debitage. There was no pre-determination of the products to make the well-typed tools, indifferently on various materials, nor of bladelets to make armatures, adapted pragmatically without strict selection of any material.

The differences on other tools being explained by debitage, the only significative difference between the implements of these sites lies in the amount of sharp pointed armatures wanted by the hunters. The debitage styles in both groups, as well as their tool proportions, consequently arise indirectly from the hunting implements they wanted. There is a similar difference in Beaugencian. The reason why these variable armature proportions were existing : either different ways of catching game, or setting arrows with one or several armatures. Microwear studies might decide, but anyway the reasons why these variants are existing are the hunting implements which were chosen.

Deutsche Übersetzung: Susanne Rick, Saarbrücken u. Fernand Spier, Luxemburg. Auf ausdrücklichen Wunsch den Autoren wird eine möglichst wortgetreue, direkte Übersetzung wiedergegeben. Die Autoren danken herzlich diese ausgezeichnete Freunde .

Bibliographie

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Abbildungsverzeichnis

Abb.1 - Die tangentiale Schlagtechnik und ihre zwei Varianten (Zeichnung C. Rozoy).

Die Tardenoisien-Träger (links im Bilde) schlagen sehr nahe am Rand des Kerns und erhalten dadurch mehr Lamellen. Die Ardennien-Träger (rechts im Bilde), und auch andere Kulturen, schlagen etwas zurückgesetzt vom Rand und erhalten dadurch mehr Abschläge und Klingen. Die Einen wie die Anderen erhalten dann ihre "häuslichen Geräten" aus den so vorgegeben Produkten, ohne sich darüber hinaus um ihre Grundformen zu kümmern. Allein der aktive Teil interessiert sie.

Abb. 2 - Der Fépin Abbaustil. Ausgeglichene Tafel, Zeichnungen C. Rozoy.

Die kleinen Abmessungen der Objekte sind der Entfernung der Feuersteinvorkommen zuzuschreiben, dabei bleiben aber die hergestellten Geräte dieselben wie anderswo (siehe oben Walczak 1997). Dieselbe unipolare Abschlagtechnik produziert unterschiedslos Lamellen, die im Allgemeinen dicker sind als die des Tardenoisiens (1 bis 5), Klingen (6 bis 11) und Abschläge (19 bis 38). Darin liegen auch die viele Klingenabschläge (12 bis 18) begründet.

Abb. 3 - Verhältnis der Kerne zu 100 spitzen Einsätzen bei einigen Kulturen.

Unten (schwarze Punkte, verbunden, und Bonneuil): Tardenoisien.
Obere Linie und A: Ardennien. S: Somme-Kultur. L: Limbourgien (Aardhorst, Oirschot V). Links am Rand: Tjongérien (Milheeze, Oirschot VIII) und Ahrensbourgien (Remouchamps, Geldrop I, Geldrop III-1 und III-2). Für die Namen und Lage der Fundstellen, vergleiche Rozoy 1978 (S. 637-638), 1994 und 1997a und Tafel 1.

Der Gegensatz zum Tardenoisien, mit seiner Manie für Einsätze, vor allem in der mittleren Phase, und zu den anderen Kulturen (Tjongérien und Ahrensbourgien inbegriffen) ist offenkundig. Dies ist davon abhängig, dass ein einziger Kern viele Lamellen und folglich viele Einsätze produzieren kann. Der Bezug zwischen Kernen und "gemeinsamen Werkzeugen" ist deutlich hergestellt (Rozoy, 1978, S.637). Jeder Kern liefert drei bis zehn "gemeinsame Werkzeuge" und noch mehr Einsätze. Die seit der ersten Veröffentlichung dieser Graphik 1978 gegrabenen Befunde, fügen sich völlig in dieses Schema ein, und zeigen einmal mehr den "voraussagenden" Wert dieser bildlichen Darstellungen. Tigny (schwarzer Punkt, umkreist, unten) stimmt völlig überein mit dem Tardenoisien seiner Gegend. Fépin in den Ardennen (A, umkreist), die Ardennien Fundstelle mit der niedrigsten Anzahl an Kernen (wahrscheinlich bedingt durch Abrutschen in den Hang wie in La Roche-aux-faucons), bleibt sichtbar über den Werten des Tardenoisiens, für die ganze mittlere Phase. Die fünf Konzentrationen von Tillet (T1 bis T5), trotz der kleinsten Anzahl an Kernen für diese Kultur, zählen mehr als das doppelte an Werten des zeitgleichen Tardenoisiens.

Die Werte der drei obengenannten Fundstellen (Roche-aux-faucons-pentes, Wegnez und Gentelles) sind vielleicht künstlich heraufgesetzt. Gentelles und Wegnez sind Oberflächenfunde, wobei die großen Objekte besser zum Vorschein kommen. Bei den Hangfunden von La-Roche-aux-faucons nimmt man an, dass Objekte, von der auf der Hochebene gelegenen Fundstelle, aberodiert sind. Jedoch auch Oizy ist ein Oberflächenfundplatz (T.Delville) und man findet hier ähnliche Verhältniszahlen wie bei den Grabungen. Außer diesen Anomalien, vermutlich ohne reellen Wert, zeigen die am zuverlässigsten gegrabenen Befunde (z.B. Les Mazures, Flönnes 1 und 2 fürs Ardennien, Hailles, Hangest, le Tillet oder Vraignes-1 für die Somme-Kultur) dieser Kultur, dieselben Quoten für Einsätze und sehr unterschiedliche Zahlen für Kerne auf, die an diejenigen der Oberflächenfunde herankommen, oder sie sogar überschreiten. Man muss folglich denken, dass die Anzahl von Kernen, außer dem Hauptfaktor, den die Verhältniswerte der Einsätze bilden, von anderen sekundären Faktoren abhängen, die diesen bedeutenden Diskrepanzen zugrunde liegen. Solche Faktoren könnten auch im Tardenoisien eine Rolle gespielt haben und würden verschiedene (relativ) hohe Punkte, wie Chaville oder La Chambre des Fées (F), aber vor allem die Evolution in der rezenten Phase, erklären (ferme de Chinchy, La Bayette, Mauregny), die mit derjenigen der Somme-Kultur zusammentrifft (Vraignes-1), und mehr noch, Bonneuil übersteigt die Verhältniszahlen der Somme-Kultur. Die Konzentration dieser höheren Werte, in der rezenten und Endphase, weist deutlich auf einen Wechsel der Lebensweise hin, der jedoch in den sechs Konzentrationen der Allée Tortue nicht zu erkennen ist (siehe Rozoy 1994 betreffend die durch einen Graben gekürzte, nicht zuverlässige Serie A.T.II).

 

Abb.4 ­ "Geisterdiagramme" der Werkzeuge (Ardennien und Tardenoisien)

Hier wurde eine doppelte Manipulation vorgenommen: die Rückenmesserchen, denen unberechenbare Variationen zugeschrieben werden und die keine spitzen Einsätze sind, hat man weggelassen. Die Quote der spitzen Einsätze wurde auf 50% gesenkt, um den Vergleich mit den Verhältniswerten der "gemeinsamen Werkzeuge", außer Rückenmesserchen und spitzen Einsätzen, zu ermöglichen. Die Unterschiede sind dann geringfügig: Tigny hat etwas mehr Kratzer, und ein Teil der Segmente und der ungleichschenkligen Dreiecke wurde hier durch flächenretuschierte Spitzen ersetzt, die zahlenmäßig gering und sehr spät ins Ardennien eindringen. Aber die Gesamtstruktur ist identisch. Der reelle Unterschied hängt von dem Verhältnis der spitzen Einsätze ab, und natürlich, wie anderswo besprochen, vom Herstellungsstil der Einsätze.


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